Physiotherapie/ Osteopathie für Hunde         Daniela Pauli
Brustgeschirr statt Halsband
Medizinische Aspekte:
Durch das Tragen eines gut sitzenden Brustgeschirres wird der Druckpunkt auf den Brustkorb verlegt. Somit bleiben Kehlkopf, Halsmuskulatur, Luftröhre und die Halswirbelsäule unbelastet.
Klinische Studien haben bewiesen, dass Verspannungen in der Halswirbelsäule zur gleichen Symptomatik wie beim Menschen führen: Kopfschmerz, Schwindelgefühl, Schmerzen in der Wirbelsäule usw. Der Hund muss diese Schmerzen, die sich auch in Unkonzentriertheit und Gereiztheit äußern können, ertragen, weil er sich nicht mitteilen kann. Bei jedem Hund, insbesondere bei Hunden mit Gelenkserkrankungen (HD, Spondylose,...) oder durch Züchtung sehr langer Wirbelsäulen (Dackel, Basset, ...)ist es von großem Vorteil, wenn die Wirbelsäule unbelastet von Druck und Ruck bleibt.

Erhöhte Verkehrssicherheit:
Am auf dem Rücken liegenden Steg des Geschirres kann der Hund schneller und sicherer gehalten werden, wenn dies nötig ist. Ebenfalls ist dieses Halten am Rückensteg angenehmer für den Hund, als wenn er am Halsband festgehalten wird. Verletzungen an der Hand des Hundeführers durch einen sich windenden Hund werden vermieden. Muss der Hund aus einer Gefahrenzone herausgezogen  werden (Schacht, Flussufer, usw.), ist dies am Geschirr problemlos möglich, ohne den Hund zu würgen.

Vermeidung von Fehlverknüpfungen:
Im engen Zusammenhang mit der Empfindlichkeit des Halsbereiches können unbewusst Fehlverknüpfungen entstehen. Hunde lernen über gedankliche Verknüpfungen. Das heißt: Situationen was der Hund eben sieht (hört, riecht) und das was er in diesem Augenblick spürt verbindet er miteinander.
Sieht ein Hund z.B. gerade einen anderen Hund und springt plötzlich in die Leine, oder der Mensch ruckt den Hund zurück, dabei verspürt er eine Schmerz am Halsbereich durch den Druck des Halsbandes, so könnte der Hund verknüpfen.: „Wenn ich einen anderen Hund sehe bekomme ich einen Schmerz, so muss der andere Hund „gefährlich“ sein. Das Ergebnis ist oft, dass ein Hund ängstlich oder aggressiv gegenüber Artgenossen, Menschen etc. reagiert.

Der Hals als soziales Organ:
Das Berühren des Halses ist (wie auch bei uns Menschen) etwas sehr „intimes“.
Nicht umsonst gibt es den Ausdruck „Bleib mir vom Hals“. Es findet bei Hunden über den Hals eine taktile Kommunikation (Kommunikation über Berührungen) untereinander statt. So ist die Seitenpartie des Halses nur guten Freunden und zum Pflegeverhalten (Knabbern etc.) erlaubt. Die Oberseite ist der Dominanzbereich und die Unterseite steht für die Subdominanz (Unterwerfung).
Diese fein abgestufte Empfindsamkeit stumpft ab, wenn durch das Tragen des Halsbandes praktisch ständig irgendwo am Hals Impulse kommen. Resultierend hieraus können Beißereien unter Hunden aber auch bei falscher Berührungen des Hundes am Halsbereich Bissverletzungen am Menschen sein.